Leitungsfunktion und Transparenz

Seit einigen Jahren leite ich als Abteilungsleiter einer großen Schule die mir anvertrauten Abteilungen. Mein Ziel ist es, Entscheidungen, die an das Kollegium weitergegeben werden, nicht nur transparent, sondern vor allem sichtbar zu kommunizieren.

Sichtbarkeit versus Transparenz

Ein zentraler Begriff in der Pädagogik ist „Transparenz“. Damit wird in der Regel gemeint, dass Prozesse und Entscheidungen für alle Beteiligten nachvollziehbar sein sollen. So müssen beispielsweise die Bewertungskriterien für Schülerinnen und Schüler klar erkennbar sein. Ebenso sollten die Überlegungen und Abläufe, die meinen Entscheidungen zugrunde liegen, für die Kolleginnen und Kollegen verständlich sein.

Zwar wird dadurch nicht jede Entscheidung oder Note uneingeschränkt unterstützt. Allerdings entsteht auf diese Weise ein besseres Verständnis für die zugrundeliegenden Prozesse. Dies fördert nicht nur die Akzeptanz der getroffenen Entscheidungen, sondern vermittelt auch Einblicke in meine Arbeitsweise und meine Werte.

Meiner Ansicht nach ist dies – sowohl im Unterricht als auch in Leitungsprozessen – von großer Bedeutung. Indem ich offen lege, wie Entscheidungen zustande kommen und welche Überlegungen ich dabei anstelle, werde ich in meinem Handeln und meinen Werten deutlicher wahrgenommen.

Entscheidungen der verschiedensten Situationen werden dann für alle Beteiligen berechenbarer und vorhersehbarer.

Der Begriff der Transparenz stimmt somit eigentlich nicht, denn wenn etwas transparent ist, ist eben nicht sichtbar. Beispiel gefällig? Nehmen wir die Superkraft von Susan Storm geb. Richards: sie ist transparent (Klugscheißermodus: Und farblos.) und somit unsichtbar. Und das ist, was meine Entscheidungen, meine Notengebung und meine Leitungsarbeit nicht sein soll: unsichtbar.

Somit gewöhne ich mir gerade an, den Begriff Transparent in diesem Kontext nicht mehr zu nutzen und ihn gegen den Begriff Sichtbar auszutauschen. Entscheidungen, Noten und Prozesse müssen sichtbar sein und nicht transparent, also unsichtbar.

Ändert das meine Arbeit? Steigt dadurch eine Akzeptanz? Ich vermute nicht. Aber ich mache hiermit nur meine Gedanken zu den zu nutzenden Begriffen transparent – nein, sichtbar.

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