Die „Ich-kann-Liste“

Sehr häufig spielten sich in meinem Unterricht folgende oder ähnliche Szenen ab:

„Nächste Woche schreiben wir eine Klassenarbeit.“
„Was kommt den dran?“
„Alles was wir gemacht haben.“
„Auch XYZ?!“
Alles was wir gemacht haben!“
„Echt jetzt? Alles?! Auch dieses komische...“
Alles was wir gemacht haben!!!1!!elf eins!!“

Diesen Dialog kann man von zwei Seiten betrachten:

  • Aus der Sicht des Unterrichtenden ist doch klar, dass alles drankommen kann, was wir im Unterricht besprochen haben und
  • aus der Sicht der Lernenden, ist dieses alles ein waberndes Etwas von Informationen, das nur schwerlich zu packen ist.

Ein schönes Instrument, um den Schülerinnen und Schülern Sicherheit  für die Arbeit und die Chance sich gut vorzubereiten zu geben, ist die Ich-kann-Liste.

Eine Ich-Kann-Liste, ist eine Liste in der formuliert ist, was der Lernende für die anstehende Prüfungszeit können muss. Diese Fähigkeiten und Fertigkeiten sind immer operationalisiert und aus der Ich-Perspektive formuliert. Das erzeugt bei dem Lesenden eine Verbindlichkeit für das was zu können ist und eine Sicherheit, was maximal in der Prüfungszeit verlangt wird.

Um das Ganze für Dich ein wenig fassbarer zu machen, habe ich mal einige Beispiele notiert. Die Beispiele stammen allesamt aus dem Lernfeldunterricht der angehenden Friseurinnen und Friseure.

Beispiele

Aufbau und Wachstum des Haares

  1. Ich kann die Aufbau der Haarwurzel beschreiben.
  2. Ich kann die Wachstumsphasen des menschlichen Haares benennen.
  3. Ich kann erklären, was in den Wachstumsphasen den menschlichen Haares mit der Haarwurzel geschieht.
  4. Ich kann die Länge der einzelnen Phasen benennen.

Frisurengestaltung

  1. Ich kann an einer Frisur den inneren Frisurenumriss kennzeichnen.
  2. Ich kann an einer Frisur den äußeren Frisurenumriss kennzeichnen.
  3. Ich kann an einer Frisur das Volumen kennzeichnen.
  4. Ich kann die Richtungen, senkrecht, waagerecht, diagonal und ungeordnet unterscheiden.

OMG – das ist aber Arbeit

Im günstigsten Fall ist diese Ich-Kann Liste vor der Unterrichtseinheit  fertig und kann den Schülerinnen und Schülern im Vorfeld der eigentlichen Einheit ausgeteilt werden. So können die die Lernenden, ähnlich und nicht so individuell wie die ABC-Liste, Ihren Lernfortschritt sehen und reflektieren.

On-The-Fly

Wenn Du mit den Ich-Kann-Listen starten willst, muss diese Arbeit im Vorfeld einer Einheit aber nicht unbedingt sein. Fülle Deine Ich-Kann-Liste einfach während Deiner normalen Unterrichtsvorbereitung und der Unterrichtsdurchführung. Eine oder zwei Wochen vor der eigentlichen Klausur kannst Du den Schülerinnen und Schülern diese Liste dann aushändigen. So haben diese noch ausreichend Zeit, sich ihrer Lücken bewusst zu werden und diese zu füllen.

Wenn Du die unterrichtete Einheit dann ein weiteres mal unterrichten solltest, hast Du eine fertige Ich-Kann-Liste, die Du jetzt vor der eigentlichen Einheit aushändigen und gemeinsam mit den Schülerinnen und Schüler abarbeiten kannst.

Oder auch digital!!!11!1!elf eins eins

Natürlich kann man so eine Liste auch digital führen oder sogar von den Schülerinnen und Schülern führen lassen. Sei es in einem Etherpad, auf Googledocs oder in Dropbox paper

So hat man natürlich immer die aktuellste Liste vorliegen und kann als Lernender immer wieder seine Weg überprüfen.

Vorbereitung auf eine Arbeit

Wie bereitest Du Deine Schülerinnen und Schüler auf eine Arbeit vor? Welche Methoden und Techniken nutzt Du?

Schreib es mir in die Kommentare…

Autor: MAWSpitau

Das wichtigste im Leben ist die Zeit. Leben heißt, mit der Zeit richtig umgehen.

2 Gedanken zu „Die „Ich-kann-Liste““

  1. „What I know“ oder „Auf einen Blick“ nenne ich meine selbst entworfenen, an die Methode des Advance Organizer angelehnten `Post-Organizer` (von lateinisch post = nach, hinterher), die grafisch so gestaltet sind, dass deutlich wird, welches Thema/ welcher Begriff welche Bedeutung (durch entsprechende Größe und Verhältnisse der zueinander) im Rahmen der Unterrichtreihe haben. Diese Post-Organizer teile ich in der abschließenden Stunde aus und die SchülerInnen können beim Ausfüllen vor Ort unmittelbar feststellen, wo ihre Lücken sind – und hoffentlich nacharbeiten.
    Die Post-Organizer sind per Hand gezeichnet und nicht per Rechenmaschine generiert – aber das ist nur mein persönlicher Stil, um der Sache nicht den Anschein einer aalglatten Angelegenheit zu geben, bei der der Schüler druckreif schreiben müsste. Außerdem produziert der Überhang an Digitalisierung bei mir ein Bedürfnis nach Handgemachtem. 🙂
    Schade, dass ich es nicht schaffe, hier ein Foto meines Kunstwerkes hochzuladen – bin doch noch nicht so digital kompetent 🙁

    LG,
    E.B.

    [edit]
    Ich bin so frei, hier die per Mail eingesendeten Bilder einzubinden.

    What I Know
    Auf einen Blick
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