Gelesen: Als ich ein kleiner Junge war – Erich Kästner

Kästner erzählt in dem Buch über seine Kindheit bis zum Beginn des ersten Weltkrieges. Zu diesem Zeitpunkt endete, nach seinen Aussagen, seine Kindheit.

Er schreibt das Buch für Kinder der 1960er Jahre, um ihnen zu zeigen, wie das Leben als Kind vor 50 Jahren war. Auch wenn seitdem wieder 50 Jahre vergangen sind, liest sich das Buch erfrischend und vermittelt ein gutes Bild von den Zuständen vor ca. 100 Jahren. Episoden Kästners erinnern an eigene vergangene Tage und lassen Parallelen zur heutigen Zeit erkennen. Es bewahrheitet sich also der Spruch: Es wird weder besser noch schlimmer, sondern anders!

Während des Lesens hat man das Gefühl, Kästner säße neben einem und erzählt Schwänke aus seiner Jugend. Erfrischend und locker lassen sich die Seiten lesen und bauen die richtigen Bilder im Kopf des Lesers auf.

Sollte das Buch für Kinder von heute geeignet sein, müsste man, so ist meine Meinung, in Fuß- oder Endnoten den einen oder anderen Begriff erklären, der heute nicht mehr gebräuchlich ist.

Ein schönes Buch, welches das Leben von vor 100 Jahren vor- und darstellt, den Alltag in Szene setzt und somit mehr von der Zeit vermittelt, als es ein Geschichtsbuch könnte.

Gelesen: April in Paris – Michael Wallner

Wie man hier lesen konnte, verbrachte ich meine Hochzeitsreise in Paris. Einem Tipp eines schon weit gereisten Kollegen folgend, habe ich mir ein Buch besorgt, welches in Paris, also dem Ziel der Reise, spielt.

Die Geschichte findet während des zweiten Weltkrieges statt. Ein deutscher Soldat, der des Französischen fließend mächtig ist, wird als Übersetzter bei Verhören eingesetzt. Die Methoden, mit denen die Totenköpfe, sprich: die Soldaten der SS, an Geständnisse kommen, werden gut und erschreckend detailreich beschrieben. Der Ekel des Protagonisten, der ihn währenddessen überkommt, lässt den Leser schaudern. Das Wort Verhör im kriegerischen Kontext gewinnt eine neue, erschreckende Qualität.

Verbotener Weise legt der Dolmetscher nachts zivile Kleidung an und flaniert, quasi als Franzose, durch die Straßen Paris‘. Sein akzentfreies Französisch lässt seine zweite Identität bei den Einheimischen nicht auffliegen. Wie sollte es anders sein – er verliebt sich in eine Französin und seine Tarnung fliegt auf. Letztendlich sitzt er wieder im Verhörraum – aber auf der anderen Seite. Es scheint ein Fluch und ein Segen zu sein, dass er weiß, was ihn erwartet. Weitere Informationen oder gar das Ende werde ich nicht verraten, dann das Buch muss selbst gelesen werden.

Nicht nur Gepflogenheiten der Pariser und militärische Verhaltensweisen während des zweiten Weltkrieges werden vermittelt, sondern auch die gespaltene Gefühlswelt des Protagonisten. Das Buch liest sich sehr spannend, auch wenn es einige französische Passagen enthält, die ich, auf Grund mangelnder Kenntnisse, nicht oder nur kaum verstand. Das hat aber meinem Verständnis  für die gesamte Geschichte nicht geschadet.

Einige Straßennamen und Beschreibungen der Stadt kamen mir bekannt vor und so erlebte ich Paris von zwei Seiten und in zwei Zeiten.

Gelesen: Deutsch für Profis – Wege zum guten Stil

Das von Wolf Schneider geschriebene Buch lässt vom Titel vermuten, es handele sich um eine Lektüre, die aufzeigt, wie man gute deutsche Texte verfasst. Wenn man das Buch aber liest, geht es vielmehr darum, dass Spiegelredakteure kein gutes Deutsch beherrschen. Diese Meinung ist nicht verwunderlich, denn dass Buch ist im Stern-Verlag (Gruner + Jahr) erschienen.

Persönlich fand ich das Buch enttäuschend. Es sind zwar einige Tipps aufgezeigt, diese könnten aber problemlos auf wenigen Seiten zusammengefasst werden. Schneider scheinen die Fehler der Anderen wichtiger zu sein, als gute Beispiele aufzuzeigen, aus denen ersichtlich wäre, wie gutes Deutsch auszusehen hat.

Wenn man sich für gutes Schriftdeutsch interessiert, dann empfehle ich die Stilfibel von Reimers. Das Buch ist zwar schon angestaubt, gibt aber einen kurzen und guten Einblick in die Grammatik1, so dass man die beschriebenen Tipps auch tatsächlich versteht, auch wenn man kein Germanistikstudium hinter sich hat.

  1. Die für ein gutes Deutsch unvermeintlich scheint. []

Gelesen: Der Gotteswahn – Richard Dawkins

Ein interessantes Buch in dem erklärt wird, dass es keinen Gott geben kann.

Hauptaugenmerk wird auf monotheistischen Religionen gelegt und bezieht sich somit auf den Gott der Bibel, der Tora und des Korans. Dawkins betont in dem Buch immer wieder, dass man nicht von christlichen, muslimischen oder jüdischen Kindern sprechen sollte, sondern von Kindern christlicher, muslimischer oder jüdischer Eltern. Kinder können bis zu einem gewissen Alter nicht selbst entscheiden, welcher Religion sie angehören möchten, da der Weitblick für die verschiedenen Religionen fehlt.

Das Buch ist sicherlich nicht nur für Atheisten und Agnostiker spannend zu lesen, sondern auch für gläubige Menschen. Aber wahrscheinlich wird dieses Buch eher als Teufelswerk angesehen und somit als nicht-lesbar eingestuft. Er macht gleich im zweiten Kapitel deutlich, welche Eigenschaften der Gott hat, den die Menschen anbeten und der sieht anders aus als „der liebe Gott“ den wir zu kennen glauben.

Ein lesbares, teilweise witzig geschriebenes Buch über ein Thema was in der Öffentlichkeit noch nicht angekommen ist: einem echten und offenem Diskurs mit Religion.