Der Evaluationsbogen für Klassenarbeiten

In einem meiner letzten Beiträge habe ich, quasi nebenbei, meinen Evaluationsbogen für Klassenarbeiten erwähnt. Nicht nur die Downloadzahlen dieses PDFs zeigen, dass daran ein reges Interesse besteht, sondern auch einige Tweets und Hinweise im realen Leben. Also
möchte ich dir hier darstellen, die ich diesen Evaluationsbogen einsetze und welchen Nutzen ich darin sehe.

Zunächst einmal möchte ich feststellen, dass dieser Bogen nicht gänzlich aus meinem Hirn entsprungen ist. Ich habe ihn während meines Referendariats von meiner Seminarleiterin bekommen und in den Jahren Anpassungen vorgenommen. Eine weitere Anpassung entstand auch während des Schreibens des Beitrages – dazu am Ende mehr…

Das Prozedere

Unmittelbar nach dem Beenden einer Klassenarbeit füllen die Schülerinnen und Schüler den Evaluationsbogen aus. Dieser wird nicht mit der Klassenarbeit abgegeben, sondern mit nach Hause genommen. Im günstigsten Fall, heften die Schülerinnen und Schüler den Bogen in ihren Unterlagen ab. Wenn die Klassenarbeit zurückgegeben wird, führe ich mit jedem Schüler und jeder Schülerin ein Einzelgespräch über die Klassenarbeit. In diesen Gesprächen geht es natürlich auch um den momentanen Leistungsstand in dem entsprechenden Lernfeld und um eine Aussicht, wie die Schülerin oder der Schüler weiter arbeiten möchte.

Das Feedback

EvaluationsbogenFür mich ist immer die erste Frage hochinteressant: Fanden die Schülerinnen und Schüler meine Arbeit fair oder unfair?

Ich bemühe mich, meine Klassenarbeiten so zu strukturieren, dass Schülerinnen und Schüler mit dem potentiell erlernten Stoff des Unterrichts, gute oder zumindest befriedigende Zensuren erreichen können. Somit ist es mir ein hohes Anliegen, dass das auch bei den Schülerinnen und Schülern ankommt und diese die Klassenarbeiten als fair bewerten.

Sollte dieses nicht der Fall sein, können die Schülerinnen und Schüler in dem Freitextfeld formulieren, was sie an der Klassenarbeit nicht fair fanden. Ich erhalte dadurch ein Feedback und kann entweder meinen Unterricht umstrukturieren, die Klassenarbeiten anders stellen oder auch Aufklärungsarbeit leisten, wieso manche Fragen so nicht im Unterricht behandelt wurden.1

Die restlichen Antworten auf dem Bogen werden dann abhängig davon, was der Lernende erwartet hat und welche Zensur er tatsächlich bekommen hat, besprochen.

Erfolge feiern

Sollte die Klassenarbeit besser ausgefallen sein, als die Note, die erwartet wurde, wird in diesem geschützten Zweiergespräch der Erfolg gefeiert. Dann wird versucht zu ergründen, warum die Note besser ausgefallen ist, um eine Reproduzierbarkeit herstellen zu können. Dazu dienen die weiteren Informationen auf dem Bogen.

Das Gleiche findet statt, wenn exakt die Note erreicht wurde, die vorher angegeben wurde. An dieser Stelle wird darüber gesprochen, wie die Schülerin oder der Schüler sich unter Umständen noch verbessern kann, wenn sie oder er es dann möchte.

Lösungen suchen und Ziele definieren

Wenn der Lernende sich viel besser einschätzt, als die Note, die erreicht wurde, dann kann ich ein Gespräch auf Basis der Selbst- und Fremdwahrnehmung starten und beratend unterstützen. Außerdem kann man über die Aufgaben sprechen, die wenige Punkte erreichten, um gemeinsam zu überlegen, wo die Verständnisprobleme liegen.

Natürlich gibt es auch die Fälle, in denen die Schülerinnen und Schüler noch ausreichende oder schlechtere Leistungen erbringen. Unabhängig davon, ob diese das vorausgesehen haben oder nicht, kann man in diesen Vieraugengesprächen auch auf die Gründe zu sprechen kommen, die für diese Leistungen verantwortlich sind. Die Noten sind zwar nicht mehr zu retten, das Verständnis dafür steigt und man kann auch hier gemeinsam an einer Strategie feilen.

Das Ziel des Lernenden

In allen Fällen gibt es eine Beratung von mir, wenn der Lernende das wünscht. Diese kann auf Grundlage eines Ziels, das sich die Schülerinnen und Schüler setzen, geschehen.

Diese Modifikation habe ich bereits vorgenommen und in dem Dokument eingebaut. Am Ende des Bogens steht nun nicht mehr die Lernberatung des Lehrers, sondern die Ziele der Schülerin oder des Schülers. Probiert habe ich den neuen Bogen noch nicht und würde mich auch über Rückmeldungen von Euch freuen. Ich bin mir sicher, dass die Schülerinnen und Schüler beim Formulieren der Ziele2 Hilfe benötigen werden.

Zusätzlicher Nutzen

Einen zusätzlichen Nutzen hat das Ganze auch noch. Da ich mit jedem Lernenden ein Gespräch halte, können und dürfen die Schülerinnen und Schüler in diesem Gespräch Fragen zu der Klassenarbeit stellen. Fragen zur Arbeit werden nicht im Plenum gestellt, da man sich auf der einen Seite wegen des Datenschutzes hier und da auf die Zunge beißen muss und nicht alles transparent machen kann was, man zu Klärung gerne machen würde. Ich beantworte also Fragen nur unter vier Augen und kläre mit den Schülerinnen und Schüler die Dinge direkt, ohne dass sich andere Mitschülerinnen und Mitschüler einmischen und sich für oder gegen etwas einsetzen können. So entsteht selten Unruhe in Bezug auf die Bewertungen oder die Vergleichbarkeit der Leistungen untereinander.

Download “Klassenarbeitsevaluation” Klassenarbeitsevaluation-HerrSpitau.de_Ziel.pdf – 683-mal heruntergeladen – 45 KB

Hast Du noch Ideen?
Hast Du noch Ideen, wie Du Klassenarbeiten nutzen kannst, um lernförderliche Gespräche zu führen? Lasse es mich wissen und schreibe es in die Kommentare.

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  1. Stichwort: Anforderungbereich 3 []
  2. Bespielsweise nach SMART []

Autor: MAWSpitau

Das wichtigste im Leben ist die Zeit. Leben heißt, mit der Zeit richtig umgehen.

10 Gedanken zu „Der Evaluationsbogen für Klassenarbeiten“

    1. Die Gespräche sind, ähnlich wie die Schülerinnen und Schüler, höchst unterschiedlich. Bei einigen geht es sehr schnell, bei anderen braucht man eben mehr Zeit. Da wir in der Regel 90 Minuten Blöcke haben, kann ich mir genug Zeit für Rückmeldungen nehmen.

  1. Wie alt, welche Klassenstufe sind deine Ss? Meine könnte ich gar nicht so lange ohne „Unterricht“ lassen. Gerade nach Rückgabe drehen sie oft auf. Bekommen sie von dir schriftliche Aufgabe? Oder lesen sie ihre Klausuren? Gemeinsam wird kein Erwartungshorizont besprochen?

    1. Ich unterrichte in der Regel in der Berufsschule. Das Alter in den Klassen ist in einem Spektrum von 15 bis 35. Gerade in den Unterstufen stelle ich Arbeitsaufträge, die 10 / 15 Minuten dauern, gehe dann rein und Frage nach Problemen bei der Aufgabe und gebe dann einen weiteren Auftrag rein, meistens in einer anderen Sozialform. In den Oberstufen gebe ich dann auch gerne einen komplexen Arbeitsauftrag.

      In beiden Fällen ist es nicht unüblich, dass an diese Lernzeit (in der Schülerinnen und Schüler im Prinzip machen dürfen, was Sie wollen) eine Prüfungszeit anschließt, in der ich das Gelernte abfrage. (http://herrspitau.de/2016/03/02/warum-die-trennung-von-lernen-und-pruefen-im-unterricht/)

      Ich bespreche keine Fragen und Problemchen mehr vor der Klasse. Das endet fast immer in einem Tohuwabohu. Fragen zu Punkten oder Formulierungen werden immer im einzelnen individuellen Gespräch geklärt. Der Erwartungshorizont ist in der Regel vor der Klassenarbeit bekannt durch sogenannte „Ich-kann“-Listen. Die einzelnen Aufgaben werden nicht vor der Klasse durchgekaut, außer wenn ich beim korrigieren merke, dass meine Aufgabenstellung nicht in Ordnung war oder ein Großteil der Klasse eine Aufgabe in die gleiche Richtung falsch beantwortet hat.

      Was meinst Du damit, dass Du die nicht ohne Unterricht lassen kannst? Was passiert dann? Was meinst Du mit die drehen auf?

  2. Mit Aufdrehen meine ich, dass die im Musikraum rumspringen (wörtlich) und auf dem Schlazeug/Klavier rumdreschen. Im schlimmsten Fall nehmen sie sich noch gegenseitig die Sachen weg (und werfen sie rum). In Kunst hängen dann die älteren an den Smarphones/Musik oder erzählen sich Schoten vom WE (oft unschön). Bottleflip, Papier zerkrümeln und auf dem Boden verteilen, Tafel vollschmieren, schlafen….

    Meine sind 10 bis 19 (max. 22).
    Eigentlich alle ganz süß, aber nach ner Arbeit ohne Lehrperson würden nur wenige Klassen dasitzen und Aufgaben machen. (Denke ich)

    Ich möchte aber unbedingt auch von diesem Arbeitdurchkauen vor der Klasse weg. Früher hatte ich schrecklichen Aufruhr (gegen mich) dann oft. Das ist jetzt nicht mehr so (wahrscheinlich weil ich selbst gelassener und routinierter geworden bin). Aber toll ist es nicht. Und wenn ich sehe wie die Ss nur auf die Zensur gucken zuklappen und ich hab da so lange dran korrigiert, dann fände ich ein Einzelgespräch doch lohnender.

    1. Mhm… Herumspringen? Vielleicht sind die Schülerinnen und Schüler noch nicht gewohnt, für sich und ihre Ziele zu arbeiten. Somit vielleicht mit kleinen Arbeitsaufträgen starten, sich selbst aber auch nicht ärgern, wenn Sie MAL etwas anderes machen – machen wir doch auch, wenn wir arbeiten 😉

      Ich denke es ist die Frage, welchen Arbeitsauftrag man stellt. Wenn es tatsächlich nur um Beschäftigungstherapie geht, dann merken die SuS das auch und haben keinen Bock. Wenn es aber ein sinnvolle Aufgabe ist, eine Herausforderung, ein Nachdenken, mit strukturierten Aufträgen und wechselnden Sozialformen, sinkt die Wahrscheinlichkeit – nach meinen Erfahrungen – dass die Schülerinnen und Schüler über Bänke und Tische gehen.

      Naja, das Korrigieren und Mühe geben bei den Korrekturen gehört zu Deinem Job, da bekommst Du Geld für, dass die Schülerinnen und Schüler dafür dankbar sein müssen, steht weder in Deiner noch in deren Arbeitsbeschreibung. 😉 Wichtig ist, dass die Schülerinnen und Schüler etwas lernen, nicht zufällig, sondern durch Dich initiiert. Und aus deren Sicht ist die Zensur eben das Wichtigste. Sie sind so sozialisiert und so ist Schule strukturiert – da kann man nur entgegenwirken, in denen man selbst nicht die Noten in den Vordergrund des unterrichtlichen Geschehen stellt, sondern den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler. Und das geht nur, wenn die Schülerinnen und Schüler eigene Ziele haben, wissen was auf Sie zu kommt und lernen, sich selbst einzuschätzen. Und hier hilft diese Evaluation ungemein, weil man über die Noten, den Lernerfolg, die Lernstrategien, den eigenen Unterricht und die Ziele ins Gespräch kommen kann.

  3. Das hast du gut gesagt.

    Ja, die 5. und 6.-Klässler springen einfach gern und im Musikraum ist mal richtig Platz dafür, das geht gern mal richtig ab dort. Manche arbeiten gerne selbstständig, manche nur, wenn ich neben ihnen sitze. Den vollständigen Schuh, dass es an meiner Beschäftigungstherapie liegt möchte ich mir nicht anziehen. 😉

    Bei manchen schreibe ich halt den ganzen Kunst-Lk lang dasselbe an die Arbeiten. Im Gespräch, könnte ich mir vorstellen, kommt das hoffentlich besser bei ihnen an.

    Ich werde die Methode austesten! Diese „ich kann“-Bögen, hast du die auch in deinem Blog thematisiert? Klang nach einer testenswerten Alternative zum schr. Erwartungshorizont.

  4. Nein, es liegt selten nur an einem Parameter, wenn etwas nicht oder nicht wie gewünscht gelingt.

    Die „Ich-kann“-Listen habe ich noch nicht thematisiert, habe ich mir aber gerade notiert, um mal einen Beitrag zu verfassen.

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