Keine Bewertung von Hausaufgaben…

Im April dieses Jahres habe ich einen Artikel gelesen, der meine grauen Zellen auf Trab brachte. Die Quintessenz war: Hausaufgaben dürfen von Lehrpersonen nicht bewertet werden. Nichteinmal, wenn man es ankündigt! Begründung dafür sei: Man wisse nicht, wer diese Hausaufgaben angefertigt habe, die Schülerinnen und Schüler, die Erziehungsberechtigten oder sonst wer. Also stimmt der Spruch doch:

Für die Schule lernst Du, nicht für’s Leben!

Auf den ersten Blick scheint diese Argumentation sinnvoll zu sein. Denn unter Umständen haben die Eltern die Hausaufgaben tatsächlich gemacht und der Schüler hat keine Ahnung, um was es da eigentlich geht.

Und wenn man sich außerhalb der Box befindet, kann man fragen: „Wessen Problem ist das?“ Es ist nicht das Problem der Lehrperson oder der Eltern, sondern das des Schülers, weil er nichts gelernt hat und nur eine gute Note bekommen hat. Somit haben die Noten also mal wieder nichts mit der erbrachten Leistung zu tun.

Ich möchte hier aber dennoch systemimmanent argumentieren, denn im Moment leben wir noch in einer (Schul-)Welt, in der Noten eine Rolle spielen.

Annahme eins

Nehmen wir an eine Schülerin nimmt nach der Schule eine akademische Laufbahn auf. Wie sollten dann die Bewertung von Hausarbeiten von statten gehen? Folgt man der Logik der Schulbewertung, dürften Hausarbeiten auch nicht benotet werden, da man ja nicht sicher sein kann, dass nicht doch jemand die Arbeit auf Rechtschreibung- und Grammatikfehlern untersucht hat, dass man nicht doch mit jemandem über die Thematik gesprochen hat, der unter Umständen zielgerichtete Hinweise gegeben hat.

Annahme zwei

Nehmen wir an, eine Schülerin nimmt nach der Schule eine handwerkliche Laufbahn auf. Wie sollte man dann mit Plänen und Ideen umgehen, die zu Hause entwickelt wurden oder die mit Hinweisen zur Umsetzung des Gesellenstücks vom Meister oder Altgesellinnen? Dann dürften diese Arbeiten auch nicht herangezogen werden, um ein bestehen oder nicht-bestehen zu attestieren.

Humbug, fernab der Realität

Ich empfinde das Verbot Hausaufgaben zu bewerten als Humbug, sondergleichen, der sich fernab der beruflichen Realität befindet. Sicherlich muss, wie in allen Belangen, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den unterschiedlichen Leistungsprodukten bestehen: Mündliche Mitarbeit, Tests, Handlungsprodukte, Arbeiten, Klausuren, Kolloquien, und so weiter. Und wir können auch gerne diskutieren, ob es für einen Lernerfolg Sinn macht, Hausaufgaben zu benoten, aber grundsätzlich sollte es doch erlaubt sein!

Ich bin mir außerdem nicht sicher, was dann mit Referaten passieren soll, die Zuhause vorbereitet wurden und in der Schule nur noch vorgetragen werden. Denn dann ist doch auch nicht klar, wer denn nun welche Leistung an der Arbeit trägt.

In welcher Welt wollen wir leben?

Weiterhin gilt doch zu überlegen, was eigentlich in Schule gefördert werden soll. Wollen wir immer weiter Einzelkämpfer und -kämpferinnen erzeugen oder brauchen wir für die kommenden Herausforderungen auf dieser Welt nicht Menschen, die zusammen an Problemen und Aufgaben arbeiten.

Ich für meinen Teil bin verwirrt und froh, dass ich im Moment ausschließlich in der Berufsschule tätig bin und dort Hausaufgaben so gut wie nie vorkommen.

Was machst Du?

Wie sieht es bei Dir aus? Benotest Du Hausaufgaben, nach dem Motto: Wo kein Kläger, da kein Richter?

 

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Autor: MAWSpitau

Das wichtigste im Leben ist die Zeit. Leben heißt, mit der Zeit richtig umgehen.

6 Gedanken zu „Keine Bewertung von Hausaufgaben…“

  1. Ich sehe in Mathematik als formative Leistungsmessung. Hier sollen Fehler passieren, die wir dann produktiv aufnehmen können.
    Packe ich die hier Noten drauf, bekomme ich Lösungen von Papa oder Nachbarin.
    In meinem Zweitfach Geo ist das anders, die SuS haben Portfolios, in denen auch HA sind und bewertet werden.
    Also: Hängt vom Fach und von der Intention ab, verbieten ist aber Blödsinn.

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