Digitale Whiteboards – wem nützen sie?

Ich liebe es neue Technik zu besitzen, zu nutzen und damit zu spielen. Ich liebe es, in einer Zeit zu leben, in der wir durch den Fortschritt der Technik vieles vereinfachen können. Es gibt jedoch einige Dinge, die sind gut gedacht, aber bei weitem nicht oder schlecht einsetzbar. Ich hatte das mal am Beispiel von Ebooks verdeutlicht. Nun ist mir ein anderes Ungeheuer in der digitalen Welt der Schulen aufgefallen: Das digitale Whiteboard.

In vielen beruflichen Schulen Schleswig-Holsteins ersetzen diese Geräte die herkömmliche Tafel und im Zuge von Modernisierungsmaßnahmen werden sie neu angeschafft. Aber jetzt mal Hand aufs Herz, was bringen die Teile, außer, dass es augenscheinlich zum guten Ton gehört, diese zu besitzen? Welchen didaktischen Mehrwert haben die digitalen Whiteboards? Warum lernen Schülerinnen und Schüler besser oder mehr, wenn diese Geräte im Klassenraum stehen?

In persönlichen Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen bin ich bis heute noch nicht überzeugt worden, dass diese teuren Spielzeuge tatsächlich für mehr oder unter Umständen einen besseren Lernerfolg bei den Schülerinnen und Schüler sorgen. Ich möchte meine Sichtweise auf die digitalen Whiteboards mal in recht zugespitzten, aber im Kern so gemeinten Ausführen darstellen:

  • Gerät durch den Einsatz des digitalen Whiteboards nicht wieder die Lehrperson in den Fokus des unterrichtlichen Geschehens? Sicherlich kann und muss hier argumentiert werden, der Einsatz des Werkzeugs läge den Fokus fest! Aber Hand aufs Herz – wenn man sich erst einmal in ein neues Spielzeug eingearbeitet hat, dann will man es doch nicht wieder aus der Hand geben.
  • Ad absurdum führt das Ganze, wenn die Klassenzimmer dann eine „normale“ Tafel (für die „ewig Gestrigen“), einen TFT-Bildschirm (für DVD und Video), ein digitales Whiteboard und eine viel zu kleine Projektionsfläche für den Tageslichtprojektor hat. Und das alles an der Wand hinter dem Pult!
  • Wenn ich eine kurze Notiz (z. B. Eine URL?) notieren möchte, die für Schülerinnen und Schüler relevant ist, muss ich dann erst den Rechner hochfahren, unter Umständen auf Updates, die noch eingefahren werden, warten, darauf hoffen, dass alles mit dem Netzwerk funktioniert, damit auch mein Profil geladen wird und dann erst mit einem Pseudostift die Nachricht verfassen? Ist der Aufwand nicht ein bisschen hoch?
  • In manchen Schulen darf man nicht mit einem Whiteboardmarker auf der Tafel schreiben oder sein eigenes Gerät nicht anschließen. Stichwort:BYOD. Muss ich mich also wieder auf ein alternatives Betriebssystem einlassen, dessen Eigenheiten kennen und lieben lernen? Gibt es die Software (in der Regel keine OSS) auch für mein Betriebssystem?
  • Auch die grünen Tafeln können bei einem besonderen Lichteinfall mal blenden. Aber sobald es draußen heller wird (Stichwort: Sommer), sind viele der Beamer der digitalen Whiteboards nicht in der Lage, ein sichtbares Bild zu projizieren.
  • Muss man wirklich darauf stolz sein, dass man nun verstanden hat, wie man mit dem Geodreieck virtuell umgeht, wenn ich doch das Ganze auch in echt haben kann? Entweder in groß an der Tafel oder in klein mit einer Dokumentenkamera?
  • Werden die digitalen Whiteboards in der Regel  nicht eher nur als teurer Beamer genutzt?

Ich finde die Technologie der digitalen Whiteboards hoch interessant und freue mich an den technischen Errungenschaften. Es muss aber ganz klar dargestellt werden, dass nicht alles, was technisch möglich, auch sinnvoll ist. Mir geht es auch nicht um ein: „Früher-war-alles-besser„, sondern um ein: „Zeig-mir-den-Vorteil-für-meinen-Unterricht.“ – und den hat mir noch keiner zeigen, erklären oder demonstrieren können.

Welche Geräte für mich einen echten Mehrwert hätten, wären Dokumentenkameras im Unterricht, so dass nicht nur Hefte, Bücher und Abbildung unkompliziert für alle zugänglich gemacht werden könnten, sondern auch Aufzeichnungen der Schülerinnen und Schüler zur Diskussion gestellt oder Wege der Lehrperson sichtbar gemacht werden können.

Wie seht ihr das?

  • Habt ihr diese Tafeln bei Euch in den Schulen?
  • Nutzt ihr die Teile?
  • Wenn ja wie?
  • Was kommt bei den Schülerinnen und Schülern an?
  • Wäre das Geld irgendwie besser ausgegeben?
  • Überzeugt mich vom digitalen Whiteboard!!!

Autor: MAWSpitau

Das wichtigste im Leben ist die Zeit. Leben heißt, mit der Zeit richtig umgehen.

2 Gedanken zu „Digitale Whiteboards – wem nützen sie?“

  1. Wir haben die Tafeln, aber nur im Computerraum. Hauptproblem: Sie sind zu klein. (Es gibt auch große, aber die haben wir nicht.) Zweites Problem: Die Software drauf läuft nicht mehr, die Tafeln dienen also rein als Projektionsfläche. Und die ist auf jeden Fall nötig. Aber wenn ich etwas schfreiben will, muss ich an das (nicht-digitale) Whiteboard daneben, das auch zu klein ist.

    Also: Wenn man permanent Projektionsfläche braucht (wie in Informatik), dann ist ein digitales Whiteboard besser als eine blanke Wand. Am besten natürlich mit sinnvoller Software drauf. Als unsere noch funktionierte, habe ich manchmal gute Sachen damit gemacht, so mit Drag und Drop von Elementen, so wie früher mit Magneten und Papier an der Tafel.
    Aber: entweder groß oder gar nicht.

    Es hieß mal, dass eine gute Tafel mehr kostet als ein digitales Whiteboard. Weiß aber nicht, ob das stimmt.

  2. Hui… ziemlich teure Projektionsflächen, was?

    Selbst wenn eine „normale“ Tafel in der Anschaffung mehr kosten würde, als ein digiWhi (coole Abkürzung 🙂 ), bin ich mir sicher, dass auch längere Sicht die Tafel finanziell besser abschneidet als das digiWhi. Denn die Wartung der Rechner, Softwareupdates etc. nimmt sicherlich mehr Zeit in Anspruch. Und wenn dann die Software noch ausfällt, dann ist das Gerät ja nicht mehr als das zu gebrauchen, als was es eingekauft wurde und ist somit wertlos oder wenigstens wertärmer. 😉

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