Unterricht vorbereiten und nachbereiten

Eines der Kerngeschäfte einer Lehrperson ist das Vor- und Nachbereiten des Unterrichtes. Leider macht es den Eindruck, dass in der Regel mehr vor- und seltener nachbereitet wird. Ich gehe aber davon aus, dass das Nachbereiten doch der entscheidende Schritt ist, Unterricht zu verbessern! Auch wenn es auf den ersten Blick viel mehr Zeit kostet, sind die anschließenden Resultate von höherer Qualität für alle Beteiligten. Eine Methode der durchgängigen Verbesserung des Unterrichts hat der Lehrerfreund vorgestellt: Das ADA-System

Die Nachbereitung klassisch

Bei der Nachbereitung von Unterricht sollte es nicht darum gehen:

Was mache ich das nächste Mal, wenn ich diesen Unterricht mache, genauso oder was müsste ich anders machen?

Wenn ich mir diese Frage als Evaluationsfrage stelle, dann ist in meinen Augen eine Entwicklung zu erfolgreichem Unterricht fast ausgeschlossen. Warum? Relativ einfach: Wenn ich ein Thema nochmal machen werde, dann vergeht in der Regel mindestens ein Schuljahr1 Wenn ich also das Thema, das ich in der Schublade liegen habe, wieder 1:1 so machen werde,2 gestehe ich mir zum Einen ein, dass ich mich in der Zeit nicht entwickelt habe und zum Anderen, dass die Schülerinnen und Schüler in der neuen / anderen Klasse exakt die gleichen Voraussetzungen3 mitbringen, wie die Klasse in der ich den Unterricht zuletzt durchgeführt habe.

Die Nachbereitung aus meiner Sicht

Sinniger ist nach einem Unterricht doch die Frage:

Welche Vorgehensweise hat in dieser Klasse zu den gewünschten Ergebnissen geführt?

Und hier liegt ganz schnell der Fokus bei den Schülerinnen und Schülern, denn diese müssten in der Regel ihre persönlichen Ziele definieren. Also müssen genau diese gefragt werden, ob die Erwartungen eingetroffen sind, ob die Ziele erreicht wurden oder welche Probleme aufgetaucht sind. Ich sehe ein, dass nicht alle Kolleginnen und Kollegen nach jeder Stunde4 die Schülerinnen und Schüler befragen wollen. Somit reicht in meinen Augen auch hier der Blick der Lehrkraft aus:

Welche Methodik, welches Vorgehen, welche spontanen Entscheidungen verhalfen zu einem erfolgreichen Unterricht?

Und:

Was mache ich mit dieser Erkenntnis in meinem Unterricht am nächsten Tag – vielleicht in einer anderen Lerngruppe, vielleicht in der gleichen Gruppe.

Mein Interesse an Deinem Unterricht...

  • Wie bereitest Du  Deinen Unterricht nach?
  • Beziehst Du bei der Nachbereitung die Schülerinnen und Schüler mit ein?
  • Woran merkst Du die Qualitätsverbesserung Deines Unterrichts?

Mein Interesse

 

  1. Vorausgesetzt, ich unterrichte nicht in Parallelklassen. []
  2. … oder aber auch mit den oben genannten Veränderungen aus der Klasse aus einem Jahr zuvor. []
  3. Vorwissen, Sozialkompetenz, Methodenkompetenz, Selbstkompetenz etc. []
  4. Das muss auch nicht, da wir in der Regel in Unterrichtseinheiten arbeiten und es in den meisten Fällen mehr Sinn macht, eine Unterrichtseinheit zu evaluieren, als eine 45- oder 90-Minuten-Stunde []

Autor: MAWSpitau

Das wichtigste im Leben ist die Zeit. Leben heißt, mit der Zeit richtig umgehen.

4 Gedanken zu „Unterricht vorbereiten und nachbereiten“

  1. Stimme grundsätzlich zu, wenn es um die guten Erfahrungen mit digitalen U-Vorlagen und der konsequenten Nachbereitung geht.

    Habe allerdings mit detailierterem U-Verlauf bessere Erfahrungen als mit groben Strukturen: Ich komme meiner Tendenz methodischen Eintönigkeiten auf die Spur und ich kann auch mal in einer schlechten Tagesverfassung noch guten Unterricht halten.

    Meinen Struktur habe ich veröffentlicht:
    http://www.veeser-dombrowski.de/download/lernen/TK05-0_u_TK05-1_00_M_Jesus_Christus_Uebersicht.doc

    Viele Erfolg und jetzt ein erholsames Wochenende!

  2. Hallo Michael,

    die Übersicht über die Unterrichtseinheit sieht interessant aus. Vielen dank für den Link.

    Ich bin der Meinung, dass es egal ist, ob man digital oder analog vorbereitet. Die Nachbereitung sollte trotzdem stattfinden! Analog muss ich mir eben Notizen machen, während ich im digitalen Bereich gleich Änderungen vollziehen kann. Hat beides seine vor und Nachteile.

  3. Unverbundene Beobachtungen:

    Ordentliche Nachbereitung funktioniert bei mir in Informatik viel besser als in Deutsch.

    Meine Informatik-Didaktik-Vorlesung an der Uni zu wiederholen, macht sehr viel weniger Arbeit, als ein neues Schuljahr zu wiederholen.
    Die Vorlesung ist sehr an Präsentationsfolien orientiert, das liegt wohl daran. Im Deutschunterricht sind Lehrer geradezu stolz darauf, nichts zu wiederholen (und man hat ja auch jedes Jahr andere Klassen), aber vielleicht wäre mehr Wiederholung gar nicht schlecht.

    Nachbereitung: Mache ich nicht so gründlich, wie du das schilderst. Aber Tage oder Wochen danach fällt mir ein, wie ich das beim nächsten Mal besser machen oder ganz anders angehen oder in der Reihenfolge umstellen kann. (Das schreibe ich mir dann auf.) Tendenziell reicht mir aber die von dir klassisch genannte Nachbereitung: „Was mache ich das nächste Mal, wenn ich diesen Unterricht mache, genauso oder was müsste ich anders machen?“ Was hilft es mir, wenn ich weiß, was ich *in dieser Klasse* gemacht habe, wenn es diese Klasse so nicht mehr gibt? Klar ist: Ich brauche ein Repertoire verschiedener Ansätze, und je nach Klasse wähle ich geeignete aus. Was mir dabei hilft: vorauszusehen, welche Fehler die Schüler machen, welche Missverständnisse und Fehlvorstellungen sie entwickeln – und das sind immer wieder die gleichen, jedenfalls in Informatik. Deutsch, das st schwieriger.

    >Bezieht ihr bei der Nachbereitung die Schülerinnen und Schüler mit ein?
    Nein.

  4. Das geht mir ähnlich bei den Veranstaltungen zur Aus-, Weiter- oder Fortbildung von Lehrpersonen. Hier halte ich mich sehr stark an Folien, die mir während 8 Stunden eine Struktur geben. Dennoch setze ich mich nach jedem Mal hin und notiere (handschriftlich) Bemerkungen von mir und den Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

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