Einzelarbeit – Musik oder nicht Musik?

Ich werde immer wieder gefragt, ob man den Schülerinnen und Schüler nun verbieten sollte, sich während der Einzelarbeit mit Musik zu beschallen oder ob man es zulassen dürfe. Die Musik auf den Ohren der Schülerinnen und Schüler könnte ein Weg zum Ziel sein.

Die Musik

Ich bin der festen Überzeugung, dass Musik etwas Wundervolles ist. Sie ist eine Art universelle Sprache, die auf der ganzen Welt verstanden und „gesprochen“ wird. Musik ist in der Lage, Gefühle zu erzeugen und wiederzubeleben. Sie kann Menschen inspirieren. Sie kann aber auch Unverständnis bei denen hervorrufen, die bestimmte Musik nicht mögen. Ich darf zu Hause nur Jean Michelle Jarre hören, wenn meine Frau nicht da ist 😉

Bereits kleine Kinder reagieren auf Musik, wie auf keinen anderen Sinneseindruck so beeindruckend und universell. Somit ist klar, dass Musik einen direkten Einfluss auf unseren Geist, die Seele, die Psyche nimmt. Warum sollte man diese Möglichkeit des Einflusses nicht nutzen?

Ich selbst nutzte diese Effekte der Musik ja auch, wie ich schon mal hier im Blog beschrieben habe.

Die Störung

Ein Problem, das Schülerinnen und Schüler häufig haben, ist das der richtigen Wahl der Musik. Hin und wieder dauert es schon eine Weile, bis das richtige Lied gefunden wurde, um Ihre Aufgabe zu erfüllen. Aber da die Schülerinnen und Schüler lernen sollen, mit ihrer Zeit richtig umzugehen und die Einzelarbeitsphase bei mir immer zeitlich genau begrenzt ist, ist die Verantwortung für den Umgang mit der Zeit bei jedem einzelnen.

Da Musik aber nicht nur von der Außenwelt abschottet, sondern auch eine innere eigene Welt aufbaut, kann es passieren, dass die Schülerinnen und Schüler sich ablenken lassen und nicht mehr den Arbeitsauftrag verfolgen. Aber auch hier gilt es, die Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler zu entwickeln und die Schülerinnen und Schüler erkennen zu lassen, welche Lieder sie arbeiten lassen und welche sie von der Arbeit ablenken.

Weitere störende Elemente sind auf der einen Seite die Lautstärke der Musik, die unter Umständen Schülerinnen und Schüler stören kann, die neben einem sitzen und die im Takt wippenden Köpfe, die von der eigentlichen Sache ablenken können. Beide Probleme sind aber in der Regel durch eine Ansprache des Betreffenden zügig zu lösen. Eine Prämisse ist, dass die anderen Schülerinnen und Schüler von den Handlungen anderer nicht gestört werden.

Die Störungen auf der Seite der Schülerinnen und Schüler halten sich also in Grenzen. In Diskussionen frage ich die strikten „Musik-Ablehner“ gerne, was sie denn störe. „Bei dem Krach kann man sich gar nicht konzentrieren.“ „Die Musik lenkt einen durch nur ab.“ Diese Aussagen zeigen in aller Deutlichkeit, dass es die Eigenschaften der betreffenden Person sind, die auf die Schülerinnen und Schüler übertragen wird. Ein eigene Eigenschaft oder ein persönliches Werteempfinden wird auf die Schülerinnen und Schüler projiziert. Das diese aber ein gänzlich anderes Lernverhalten haben können, wird in diesem Fall nicht in Betracht gezogen.

Die Gewöhnung

Die Schülerinnen und Schüler, die ich unterrichte sind in der Regel durch eine ständige Beschallung sozialisiert worden. Immer und überall gibt  es Geräuschverschmutzungen, denen sie ausgesetzt sind oder denen sie sich aussetzen. In der Regel läuft zu Hause das Radio1 oder der Fernseher, während sie versuchen, die Hausaufgaben zu machen. Nimmt man ihnen diese Geräuschkulisse, dann sind sie quasi in einer anderen Welt, in der ihnen etwas fehlt. Der ungewohnten Situation folgt eine innere Unruhe und diese kann sich nach Außen übertragen. Es beginnen in der Regel Gespräche mit den Nachbarn, die erste diesen, dann aber unter Umständen andere in der Klasse beginnen zu stören.

Es gibt sicherlich Forschungsberichte, die beweisen, dass man in einer ruhigen Atmosphäre besser und konzentrierter arbeiten kann. Aber wenn man es gewohnt ist, ständig beschallt zu werden, dann überwiegt das beängstigende Gefühl, was bei Stille entstehen kann. Unlängst hat eine Freundin erzählt, sie könne nie aufs Land ziehen, weil es ihr dort zu ruhig und dunkel wäre. Das zeigt, wieder, dass der Mensch wahrlich ein Gewohnheitstier ist und sich an diese Verschmutzung durch die Zivilisation gewöhnt hat.

Die Aura

Gerade unruhige Schülerinnen und Schüler, die ständig auf dem Stuhl umherrutschen und sich schnell von dem Umfeld ablenken lassen, übertragen diese Unruhe schnell auf die Mitschülerinnen und Mitschüler. Durch das Abtauchen in eine andere Welt mit Hilfe der Musik, sind diese häufig ruhiger und tragen dadurch dazu bei, dass Schülerinnen und Schüler, die Stille zum arbeiten brauchen, diese erhalten.

Der Prozess

Dadurch, dass die Schülerinnen und Schüler, die Musik brauchen, ruhiger sind, wenn Sie Musik hören und gleichzeitig die, die Ruhe brauchen, Ruhe haben, ist das Zulassen von Musik in Einzelarbeit unterm Strich zunächst eine Win-Win-Situation.

Das langfristige Ziel sollte sein, dass die Schülerinnen und Schüler ohne Musik eine Zeit lang alleine arbeiten können, ohne sich und andere abzulenken. Das Erlauben von Musik für die Schülerinnen und Schüler ist als Prozess zu verstehen, der es ermöglicht, von einer globalen ruhigeren Arbeitsatmosphäre zu einer echten, individuellen und ruhigen Arbeitsatmosphäre zu kommen.

Und? Wie ist das bei Dir?
Hinterlasse mir in den Kommentaren, ob Du Deine Schülerinnen und Schüler im Unterricht Musik gestattest oder nicht.
  1. Wahrscheinlich ein Online-Sender, den UKW ist zu oldschool 🙂 []

Autor: MAWSpitau

Das wichtigste im Leben ist die Zeit. Leben heißt, mit der Zeit richtig umgehen.

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